Carte Blanche 2020

Ein Hoch auf das Team – trotz Personalisierungshype

Andrea Heger, Landrätin EVP und Gemeindepräsidentin, Hölstein

Oft schwappen neue Trends punkto Managementmodellen, Werbetechniken, Bräuchen usw. über den grossen Teich nach Europa. So auch der Personalisierungshype in der Politik. Laut Duden ist ein Hype eine aus Publicitygründen inszenierte Täuschung, respektive eine als Rummel bezeichnete Welle oberflächlicher Begeisterung. Rummel wiederum deutet auf ein Theater hin. Die Auswirkungen dieser Schauspielereien sind umstritten. Positiv ausgelegt, können politikfernen Menschen durch Personalisierung politische Fragen näher gebracht werden. Zudem haben die Wählenden auch ein Recht, mehr über die Kandidierenden zu erfahren. Doch besteht zuweilen die Gefahr, dass das familiäre Umfeld zur Erwirkung eines politischen Eindruckes instrumentalisiert wird. Eine weitere negative Erscheinung besteht, wenn politische Sachfragen durch unpolitische Aspekte wie das Familienleben oder die Hobbys einzelner Personen völlig verdrängt werden. Die Politik überzeugt dann nicht mit Argumenten und Lösungsansätzen, sondern steuert vor allem via emotionaler Wirkung.

Das Bedürfnis nach Personalisierung ist sehr gross, nicht nur in der Politik. Viele lechzen nach Idolen und Stars. Sei es in der Musik, dem Sport oder der Kirche. Man denke dabei nur an die immense Wirkung des Papstes oder von Mitgliedern königlicher Familien. Solche Vorbilder können unter Umständen enorm viel Gutes bewirken.

Oft wird dabei aber jemand auch übermässig glorifiziert und geht bei der Betrachtung der sich im Lichtkegel produzierenden Stars vergessen, dass im Hintergrund grosse Teams mitwirken. Es ist einer Person kaum möglich, ständig innovative Leistung und neue Lösungen zu bringen. Kreativität lebt von frischen Blickwinkeln und neuen Verknüpfungen. Alleine läuft man Gefahr, immer im gleichen Trott zu denken. Doch auch die Zusammensetzung und Interaktion eines Teams ist essenziell. Wo innovative Resultate nötig sind, können Teams zudem bessere Resultate liefern als Einzelpersonen. So zeigte bereits vor rund 50 Jahren das Nasa-Weltraumspiel, dass die Überlebenschancen höher sind, wenn eine interagierende Gruppe anstelle einer Einzelperson Entscheide fällt. Das Resultat der Teamarbeit entspricht dabei nicht einfach der Summe der einzelnen Talente. Sind sich die Teammitglieder zu ähnlich, fehlt es an frischem Input. Ganz nach dem Zitat: «Wo alle dasselbe denken, wird nicht viel gedacht.» Bei guter Ergänzung und gruppendynamischer Prozesse wächst jedoch jedes Teammitglied über sich hinaus. Um ein solches Team zu erreichen, braucht es ein gutes Händchen der Anstellungsverantwortlichen und eine kompetente Leitung.

2020 ist ein kommunales Wahljahr. Somit müssen diverse Gremien frisch bestückt werden. Möge es uns gemeinsam gelingen, gut funktionierende Teams zusammen zu stellen. Und wo nur an Einzelpersonen Entscheide fällen, so handeln sie hoffentlich gemäss einem Sprichwort aus Uganda: «Geht dein Feuer aus, holst du Feuer bei deinem Nachbarn – halte es ebenso mit der Weisheit.»

In diesem Sinne wünsche ich uns allen viel Weisheit für das neue Jahr!