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Bin dann mal weg...

Andrea Heger, Land­rä­tin EVP, Höl­stein

„Carte blan­che“ der Volks­stimme vom 23. Juli 2019

Die­ser an das 2006 erschie­nene Buch „Ich bin dann mal weg“ des deut­schen Enter­tai­ners Hape Ker­ke­ling ange­legte Aus­spruch hat sich seit­her schon fast zu einem geflü­gel­ten Wort gemau­sert. Bereits das Buch war ein Best­sel­ler, doch auch die im Jahre 2015 ver­film­ten Erleb­nisse auf dem Pil­ger­weg nach San­tiago de Com­pos­tela haben der Rede­wen­dung noch­mals einen Schub gege­ben.

Viele Leute – auch aus mei­nem Umfeld – haben sich u.a. durch diese Erzäh­lun­gen ani­mie­ren las­sen, sel­ber auf den erwähn­ten Jakobs­weg oder einen der zahl­rei­chen wei­te­ren alten Pil­ger­wege zu gehen. Dies nicht nur, aber auch, aus reli­giö­sen und spi­ri­tu­el­len Grün­den. Die Tra­di­tion des Pil­gerns hat in den letz­ten Jah­ren ein regel­rech­tes Revi­val erlebt. Doch der Aus­spruch wird nicht nur in Bezug auf das tra­di­tio­nelle Pil­gern ver­wen­det. Viele spie­len ganz all­ge­mein dar­auf an, dass sie eine Aus­zeit benö­ti­gen. In die­sem Zusam­men­hang fal­len oft auch andere, ebenso mit der Bibel und Kir­che eng ver­bun­dene Wör­ter wie Saba­ti­cal, Kon­tem­pla­ti­ons­se­mi­nare oder aber auch Yoga usw. Bei all die­sen Akti­vi­tä­ten han­delt es sich um tief ver­wur­zelte Tra­di­tio­nen, die das Gleich­ge­wicht zwi­schen Arbeits- und Frei­zeit, ener­gie­ge­la­de­nen Akti­vi­tä­ten und Ent­span­nung erhal­ten sol­len. Kurzum: Ver­schie­dene Worte und Tech­ni­ken, doch alle mit dem glei­chen Ziel.

Das ver­gan­gene Polit­jahr war mit den Land­rats­wah­len beson­ders spannungs- und zeit­in­ten­siv. Und mit dem anste­hen­den natio­na­len Wahl­herbst tut vie­len Poli­ti­sie­ren­den eine som­mer­li­che Aus­zeit gut. Doch auch der Schul­ju­gend, zahl­rei­chen Arbeit­neh­men­den und Ihnen, liebe Zei­tungs­le­sende. Als Zei­chen, dass uns allen so eine bewusste Ruhe­phase gut tun würde, hatte ich schon mit dem Gedan­ken gespielt, tat­säch­lich eine «Carte blan­che» abzu­ge­ben, um so mit der freien Flä­che mit­ten in der Zei­tung bei der Lek­türe auch Raum zum Ver­wei­len und Sin­nie­ren zu geben. Wie das wohl ange­kom­men wäre? Habe mir schon aus­ge­malt, was für ver­schie­den­ar­tige Reak­tio­nen das aus­lö­sen könnte. Doch habe ich mich kur­zer­hand umentschie­den.

Ich nutze die ver­blei­ben­den Zei­len, um Ihnen eine wei­tere Mög­lich­keit schmack­haft zu machen, die mir im wört­li­chen Sinne beim Run­ter­fah­ren hilft: eine Velo­tour. Idea­ler­weise ent­lang eines abwärts­flies­sen­den Gewäs­sers. Das Plät­schern und die meist grü­nen Fluss­ufer las­sen den Gedan­ken freien Lauf. Kör­per­lich wird in über­tra­ge­nem Sinn ver­ar­bei­tet, was alles im Kopf herum schwirrt. Am liebs­ten bin ich im Team auf so einer Tour. Denn auch der Aus­tausch und die gegen­sei­tige Unter­stüt­zung sind hilf­reich. Das ist wie bei der Tour de France. Ein rie­si­ges Team hilft, damit eine Per­son des Teams auf dem Trepp­chen jubeln darf. Womit wir wie­der zurück bei der Poli­tik sind. Kaum eine Polit­lauf­bahn ist auf die Dauer im Allein­gang zu bewäl­ti­gen. Ebenso ist es bei Pro­porz­wah­len wie dem Land­rat der Fall. Ich wurde anfangs Monat mit Freude für die nächste Amts­pe­riode ange­lobt. Doch ver­dan­ken tu‘ ich dies einem gan­zen Team. Doch nun ist Schluss. Schliess­lich will ich mal eben weg – lie­ber frü­her als spä­ter. Sonst errei­chen wir heute unser Ziel nicht mehr.

 

Andrea Heger, Land­rä­tin EVP, Höl­stein