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Ein Hoch auf das Team – trotz Personalisierungshype

Andrea Heger, Land­rä­tin EVP, Höl­stein

„Carte blan­che“ der Volks­stimme vom 9. Januar 2020

Andrea Heger, Land­rä­tin EVP und Gemein­de­prä­si­den­tin, Höl­stein

 

Oft schwap­pen neue Trends punkto Manage­ment­model­len, Wer­be­tech­ni­ken, Bräu­chen usw. über den gros­sen Teich nach Europa. So auch der Per­so­na­li­sie­rungs­hype in der Poli­tik. Laut Duden ist ein Hype eine aus Publi­ci­ty­grün­den insze­nierte Täu­schung, respek­tive eine als Rum­mel bezeich­nete Welle ober­fläch­li­cher Begeis­te­rung. Rum­mel wie­derum deu­tet auf ein Thea­ter hin. Die Aus­wir­kun­gen die­ser Schau­spie­le­reien sind umstrit­ten. Posi­tiv aus­ge­legt, kön­nen poli­tik­fer­nen Men­schen durch Per­so­na­li­sie­rung poli­ti­sche Fra­gen näher gebracht wer­den. Zudem haben die Wäh­len­den auch ein Recht, mehr über die Kan­di­die­ren­den zu erfah­ren. Doch besteht zuwei­len die Gefahr, dass das fami­liäre Umfeld zur Erwir­kung eines poli­ti­schen Ein­dru­ckes instru­men­ta­li­siert wird. Eine wei­tere nega­tive Erschei­nung besteht, wenn poli­ti­sche Sach­fra­gen durch unpo­li­ti­sche Aspekte wie das Fami­li­en­le­ben oder die Hob­bys ein­zel­ner Per­so­nen völ­lig ver­drängt wer­den. Die Poli­tik über­zeugt dann nicht mit Argu­men­ten und Lösungs­an­sät­zen, son­dern steu­ert vor allem via emo­tio­na­ler Wir­kung.

Das Bedürf­nis nach Per­so­na­li­sie­rung ist sehr gross, nicht nur in der Poli­tik. Viele lech­zen nach Ido­len und Stars. Sei es in der Musik, dem Sport oder der Kir­che. Man denke dabei nur an die immense Wir­kung des Paps­tes oder von Mit­glie­dern könig­li­cher Fami­lien. Sol­che Vor­bil­der kön­nen unter Umstän­den enorm viel Gutes bewir­ken.

Oft wird dabei aber jemand auch über­mäs­sig glo­ri­fi­ziert und geht bei der Betrach­tung der sich im Licht­ke­gel pro­du­zie­ren­den Stars ver­ges­sen, dass im Hin­ter­grund grosse Teams mit­wir­ken. Es ist einer Per­son kaum mög­lich, stän­dig inno­va­tive Leis­tung und neue Lösun­gen zu brin­gen. Krea­ti­vi­tät lebt von fri­schen Blick­win­keln und neuen Ver­knüp­fun­gen. Alleine läuft man Gefahr, immer im glei­chen Trott zu den­ken. Doch auch die Zusam­men­set­zung und Inter­ak­tion eines Teams ist essen­zi­ell. Wo inno­va­tive Resul­tate nötig sind, kön­nen Teams zudem bes­sere Resul­tate lie­fern als Ein­zel­per­so­nen. So zeigte bereits vor rund 50 Jah­ren das Nasa-Weltraumspiel, dass die Über­le­bens­chan­cen höher sind, wenn eine inter­agie­rende Gruppe anstelle einer Ein­zel­per­son Ent­scheide fällt. Das Resul­tat der Team­ar­beit ent­spricht dabei nicht ein­fach der Summe der ein­zel­nen Talente. Sind sich die Team­mit­glie­der zu ähn­lich, fehlt es an fri­schem Input. Ganz nach dem Zitat: «Wo alle das­selbe den­ken, wird nicht viel gedacht.» Bei guter Ergän­zung und grup­pen­dy­na­mi­scher Pro­zesse wächst jedoch jedes Team­mit­glied über sich hin­aus. Um ein sol­ches Team zu errei­chen, braucht es ein gutes Händ­chen der Anstel­lungs­ver­ant­wort­li­chen und eine kom­pe­tente Lei­tung.

2020 ist ein kom­mu­na­les Wahl­jahr. Somit müs­sen diverse Gre­mien frisch bestückt wer­den. Möge es uns gemein­sam gelin­gen, gut funk­tio­nie­rende Teams zusam­men zu stel­len. Und wo nur an Ein­zel­per­so­nen Ent­scheide fäl­len, so han­deln sie hof­fent­lich gemäss einem Sprich­wort aus Uganda: «Geht dein Feuer aus, holst du Feuer bei dei­nem Nach­barn – halte es ebenso mit der Weis­heit.»

In die­sem Sinne wün­sche ich uns allen viel Weis­heit für das neue Jahr!