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Frühlingszeit – Zeit der Erneuerung

Andrea Heger, Land­rä­tin EVP, Höl­stein

„Carte blan­che“ der Volks­stimme vom 18. April 2019

Der Win­ter ist vor­bei, der Früh­ling da. Das freut viele. Die Zunahme an Son­nen­strah­len und Wärme lockt nach draus­sen und för­dert aller­lei wei­tere Akti­vi­tä­ten zutage. So gilt der Früh­ling als Zeit der Erneue­rung. Nicht nur die Natur treibt frisch aus. Auch die Men­schen gehen Ver­än­de­run­gen akti­ver an. Sei es mit dem tra­di­tio­nel­len Früh­lings­putz, einem Umzug, ver­schie­de­nen Kur- und Fas­ten­ar­ten, dem Zule­gen einer neuen Gar­de­robe usw. Aller­lei wird an und in die Hand genom­men, begut­ach­tet, ein­ge­stuft, im Wert bestä­tigt, erneu­ert oder ver­wor­fen. So schaf­fen sich einige nicht nur bei den frisch geputz­ten Fens­tern, son­dern auch ander­wei­tig mehr Klar­sicht.

In der Zeit zwi­schen Palm­sonn­tag und Pfings­ten fei­ern bei uns viele Kir­chen Kon­fir­ma­tion und Fir­mung. Es ist wohl kein Zufall, dass nebst Ostern auch diese wich­ti­gen Glau­bens­feste in die Früh­lings­zeit fal­len. Das latei­ni­sche Wort con­fir­mare wird mit bestätigen/bekräftigen über­setzt, auch die Über­set­zung von fir­mare als unter­zeich­nen geht auf die vor­ge­nann­ten Wör­ter zurück. In den refor­mier­ten und katho­li­schen Kir­chen bezeu­gen die Jugend­li­chen in die­sen Fei­ern ihre selbst­ge­wählte Glau­bens­zu­ge­hö­rig­keit. Was in der Regel durch die Eltern mit der Taufe aus­ge­löst wurde, wird wäh­rend des Unter­richts noch­mals kri­tisch durch­dacht. Nach der Feier gel­ten die Jugend­li­chen in reli­giö­sen Fra­gen als Erwach­sen, stimm- und wahl­be­rech­tigt.

Lei­der machen von der Mit­ge­stal­tungs­mög­lich­keit jedoch nur wenige Gebrauch. Ähn­lich wie in der welt­li­chen Poli­tik. Viele schei­nen vor der «Qual der Wahl» zu kapi­tu­lie­ren. Ein Dilemma unse­rer Demo­kra­tie. Eine grosse Wahl­frei­heit über­for­dert zuwei­len. Grund­sätz­lich ist diese Frei­heit ein ver­tei­di­gungs­wür­di­ges Gut. Wir ken­nen genug Bei­spiele, wo Auto­kra­ten schlimme Zustände bewirk(t)en. Doch weiss man durch For­schung, dass die Zunahme an Wahl­frei­heit sich nicht im Gleich­schritt mit der Zufrie­den­heit über die Wahl­mög­lich­keit zunimmt. Darf ein Kind zwi­schen zwei oder drei Sirup­sor­ten wäh­len, freut es sich über die Selbst­be­stim­mungs­mög­lich­keit. Las­sen wir das selbe Kind jedoch im Super­markt aus der gan­zen Regal­pa­lette wäh­len, wird es oft quen­ge­lig. Es ist mit der Aus­wahl über­for­dert. Ers­tens kennt es zu wenige der Sor­ten. Wie soll es da eine fun­dierte Wahl tref­fen? Zwei­tens wird offen­sicht­lich, dass eine Wahl gleich­zei­tig ein Ver­zicht auf die ande­ren Mög­lich­kei­ten bedeu­tet. Und ver­zich­ten fällt oft schwer.

Ob diese Aspekte die meist tie­fen Wahl­be­tei­li­gun­gen mit­ge­brün­den? Bei den ver­gan­ge­nen Land­rats­wah­len haben z.B. nur knapp 34% ihre Mit­be­stim­mungs­mög­lich­keit genutzt. Das steht im Gegen­satz zu Orten, wo die Men­schen ihr Leben ris­kie­ren, um für ihr Wahl­recht zu kämp­fen. Viel­leicht hilft es, Ent­schei­dungs­ge­hemm­ten auf­zu­zei­gen, dass gut zusam­men­ge­setzte Par­la­mente aus­ge­wo­ge­nere Vor­la­gen bewir­ken, was zu weni­ger Refe­ren­d­umgs­ab­stim­mun­gen führt. Oder der Tipp, die unab­hän­gige Wahl­hilfe Smart­vote zu nut­zen? Ich bin gespannt auf die Betei­li­gung im Herbst. Doch vor­erst allen einen schö­nen Früh­ling!