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Was wir tun – oder nicht tun

„Carte blan­che“ der Volks­stimme vom 13. Okto­ber 2020

Char­lotte Gaug­ler, Gemein­de­prä­si­den­tin, EVP, Lam­pen­berg

„Wir sind nicht nur ver­ant­wort­lich für das, was wir tun, son­dern auch für das, was wir nicht tun.“

Ein Zitat von Jean Bap­tiste Molière spricht für mich ein wich­ti­ges Thema im Zusam­men­le­ben an. Ver­ant­wor­tung ist per Defi­ni­tion die (frei­wil­lige) Über­nahme der Ver­pflich­tung, für die mög­li­chen Fol­gen einer Hand­lung ein­zu­ste­hen und gege­be­nen­falls dafür Rechen­schaft abzu­le­gen oder Kon­se­quen­zen zu akzep­tie­ren. Wir sor­gen in  einem ent­spre­chen­den Rah­men dafür, dass etwas einen guten/richtigen Ver­lauf nimmt und/oder kein Scha­den ent­steht. Den Aus­gang einer Situa­tion bestim­men hier­bei nicht nur unser Ver­hal­ten, son­dern auch unsere Ent­schei­dun­gen und unsere Kom­mu­ni­ka­tion. Die Ver­ant­wor­tung bezieht sich immer auf die Ver­gan­gen­heit, die Gegen­wart und die Zukunft.

Ver­ant­wor­tung für etwas zu über­neh­men, das wir hin­ge­gen nicht tun, erscheint mir schwie­rig zu erken­nen, ent­spre­chend zu han­deln und danach zu leben.

Wenn wir eine Firma lei­ten haben wir unter­schied­lichste Ver­ant­wor­tun­gen. Für die Mit­ar­bei­ten­den, für die Aus­füh­rung der Auf­träge, die Pro­dukte, die Finan­zen, die Sicher­heit, die Umwelt, die Gesetz­ge­bung usw. Wie wir alle wis­sen leben wir dies­be­züg­lich in der Schweiz auf einem hohen Niveau.  

Die Ein­hal­tung der Gesetz­ge­bung ist oft mit finan­zi­el­len Auf­wen­dun­gen ver­knüpft und unser Ertrag kann ver­rin­gert wer­den, wenn wir die Ver­ant­wor­tung kon­se­quent wahr­neh­men. Eine Mög­lich­keit die­ser aus­zu­wei­chen besteht darin, in einem ande­ren Land aus­ser­halb die­ser Gesetz­ge­bung zu pro­du­zie­ren.

Aber haben wir darum weni­ger Ver­ant­wor­tung?

Wenn wir pro­du­zie­ren ohne die Gesetz­ge­bung am Haupt­sit­zes unse­rer Firma kon­se­quent respek­tie­ren zu müs­sen? Ist die Ver­ant­wor­tung dann plötz­lich klei­ner oder weg? Die Rechte der Mit­ar­bei­ten­den weni­ger, die Auf­la­gen gegen­über der Umwelt klei­ner? Macht die Dis­tanz mich „ver­ant­wor­tungs­lo­ser“?  Was ich nicht erken­nen will … lässt mich nichts tun. Und hier ist sie: Die Ver­ant­wor­tung, die wir für etwas haben, das wir nicht tun.

Diese Ver­ant­wor­tung hat das Initia­tiv­ko­mi­tee der Kon­zern­ver­ant­wor­tungs­in­itia­tive wahr­ge­nom­men.  Im Initia­tiv­text ist zu lesen: «Der Bund trifft Mass­nah­men zur Stär­kung der Respek­tie­rung der Men­schen­rechte und der Umwelt durch die Wirtschaft.2 Das Gesetz regelt die Pflich­ten der Unter­neh­men mit sat­zungs­mäs­si­gem Sitz, Haupt­ver­wal­tung oder Haupt­nie­der­las­sung in der Schweiz nach fol­gen­den Grund­sät­zen: a. Die Unter­neh­men haben auch im Aus­land die inter­na­tio­nal aner­kann­ten Men­schen­rechte sowie die inter­na­tio­na­len Umwelt­stan­dards zu respek­tie­ren; sie haben dafür zu sor­gen, dass die inter­na­tio­nal aner­kann­ten Men­schen­rechte und die inter­na­tio­na­len Umwelt­stan­dards auch von den durch sie kon­trol­lier­ten Unter­neh­men respek­tiert wer­den…». Es betrifft uns alle, auch uns Kon­su­men­ten.

Einen kri­ti­scher Blick in die Ver­gan­gen­heit und in die Gegen­wart dürfte uns Mut machen die Zukunft ver­ant­wor­tungs­be­wusst und nach Fair­ness stre­bend anzu­ge­hen. Denn wir haben Ver­ant­wor­tung, auch für das, was wir nicht tun.